Räume sind mehr als die gebaute Umgebung, die uns umgibt. Wir treten mit ihnen in Beziehung. Wir gestalten sie, verändern sie und füllen sie mit Erinnerungen, Stimmungen und Persönlichkeit. So werden Sie zu einem Teil unseres Lebens – und zu einem Ausdruck dessen, wer wir sind.
Als Innenarchitektin beschäftigt mich deshalb immer zuerst die Frage nach dem „Warum“. Warum wünschen wir uns einen bestimmten Raum? Welche Bedürfnisse stehen dahinter? Was gibt uns Geborgenheit, Ruhe oder neue Energie?
Innenarchitektur beginnt für mich nicht mit Farben, Möbeln oder Grundrissen. Sie beginnt mit den Menschen. Mit ihren Gewohnheiten, ihren Vorlieben, ihren Wünschen und den Bedürfnissen, die ihr Zuhause erfüllen soll. Denn Räume sind nie beliebig – sie sind immer auch ein Spiegel der Menschen, die sie bewohnen.
Genau deshalb faszinieren mich persönliche Rückzugsorte.
In einem Alltag, der häufig von Verpflichtungen, Terminen und vielen äußeren Reizen geprägt ist, bleibt für persönliche Nischen oft nur wenig Platz. Gerade in Familienwohnungen erfüllt nahezu jeder Raum bereits eine feste Funktion. Doch wo befindet sich eigentlich der Ort, an dem wir einfach einmal nur für uns sein dürfen?
Bereits 1929 beschrieb die Schriftstellerin Virginia Woolf in ihrem Essay „Ein Zimmer für sich allein“ wie wichtig ein eigener Raum für Freiheit, Selbstbestimmung und kreatives Denken sein kann.
Dieser Gedanke ist heute aktueller denn je. Der Wunsch nach einem Ort der Ruhe, der Konzentration oder Kreativität ist kein Luxus und auch nicht an ein Geschlecht gebunden – er ist zutiefst menschlich.
Auch der Wohnpsychologe Uwe Raban Linke beschreibt unser Zuhause als Spiegel unserer Persönlichkeit. Räume, die unseren Bedürfnissen entsprechen, vermitteln Geborgenheit und stärken das Gefühl bei uns selbst anzukommen.
Dieses Gefühl wird heute auch durch zahlreiche Erkenntnisse aus der Wohn- und Umweltpsychologie gestützt. Die Ärztin und Neurowissenschaftlerin Esther M. Sternberg beschreibt, wie unsere gebaute Umgebung auf Körper und Psyche wirken kann. Erkenntnisse aus der Umweltpsychologie weisen zudem darauf hin, dass Privatsphäre, persönliche Kontrolle und Rückzugsmöglichkeiten wichtige Faktoren für das Wohlbefinden sein können (Evans, 2003).
In meinen Projekten erlebe ich häufig, dass Menschen zunächst über Farben, Möbel oder einzelne Veränderungen sprechen. Im Gespräch wird jedoch oft deutlich, dass dahinter ein tieferer Wunsch steht – etwa nach Ruhe, Geborgenheit, Klarheit oder mehr Leichtigkeit im Alltag.
So beginnt ein persönlicher Rückzugsort nicht mit einem neuen Möbelstück oder einem zusätzlichen Zimmer, sondern mit der Entscheidung, den eigenen Bedürfnissen überhaupt Raum zu geben.
Wann haben sie sich zuletzt gefragt, was sie eigentlich brauchen?
Gibt es in ihrem Zuhause einen Ort, an dem sie wirklich zur Ruhe kommen?
Was vermittelt Ihnen echte Geborgenheit?
Wofür wünschen sie sich mehr Raum – zum Lesen, Kreativsein, Musizieren, nachdenken oder einfach zum Ausruhen?
Solche Räume sind nicht oberflächlicher Luxus, sondern ein wichtiger Beitrag zu unserem Wohlbefinden.
Raumgestaltung ist mehr als Ästhetik – sie kann eine Form der Selbstfürsorge sein.
Im Laufe der Zeit haben sich für solche persönlichen Rückzugsorte unterschiedliche Begriffe etabliert. Besonders bekannt ist die Man Cave – ein Raum, der Männern als Ort für Hobbys, Entspannung und persönlichen Interessen dient. Weniger bekannt, aber nicht weniger spannend sind Konzepte wie die She Shed oder andere persönliche Rückzugsorte für Frauen.
Doch unterscheiden sich diese Räume tatsächlich? Stehen dahinter unterschiedliche Bedürfnisse – oder wünschen wir uns im Grunde alle dasselbe:
Einen Ort, an dem wir ganz wir selbst sein können?
Diesen Fragen widme ich mich in den nächsten beiden Beiträgen.
Als Innenarchitektin unterstütze ich Menschen dabei, Räume zu gestalten, die nicht nur schön, sondern persönlich und stimmig sind. Räume, die Kraft geben, Ruhe schenken und das tägliche Leben bereichern – ob im eigenen Zuhause oder in einer Praxis.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass ihr Zuhause noch stärker Ihre Persönlichkeit widerspiegeln könnte?
Dann begleite ich Sie gerne auf dem Weg zu Räumen, die sich wirklich nach Ihnen anfühlen.
Weiterführende Literatur:
Woolf, Virginia (1929). Ein Zimmer für sich allein. (A Room of One`s Own)
Linke, Uwe Raban (2010). Die Psychologie des Wohnens – Vom Glück, sich ein authentisches Zuhause zu schaffen. Nymphenburger Verlag
Sternberg, Esther M. (2009) Healing Spaces: The Science of Place and Well-Being. Harvard University Press.

